Aufgaben erste Woche

Aus Schneekanone

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Viele, sagte Me-ti, sehe ich Bücher lesen, eine schwierige Kunst, die sie niemand gelehrt hat. Ihre Vorkenntnisse reichen weder aus, die Schwächen, noch die Stärken von Büchern zu erkennen. Ich will nicht von wissenschaftlichen Büchern reden, die fast immer so geschrieben sind, dass Wissen nötig ist, um Wissen zu erwerben. Aber auch die Erzählungen sind schwer lesbar. Meist erreicht der Verfasser im Handumdrehen, dass der Leser sich mehr für die Welt seines Buches interessiert, als sein Buch sich für die Welt interessiert. Er macht den Leser die Welt vergessen über dem Buch, das sie beschreiben soll. Mit einigen leicht erlernbaren aber schwer durchschaubaren Tricks wird eine Spannung erzeugt, die den Leser vergessen macht, was vorgeht, indem sie ihn neugierig macht, wie es weitergeht. Um weitere Lügen zu erfahren, schluckt er die schon erfahrenen. Ein Schriftsteller, der so schreibt, daß sein Leser imstande ist, das Buch ab und zu wegzulegen, um das Gelesene zu überdenken und die Gedanken des Verfassers mit den eigenen zu vergleichen, gilt als ein wenig schwach. Es heißt von ihm, er könne mit seinem Leser nicht anfangen was er wolle. Nach der landläufigen Ästhetik müssen die Gedanken der Verfasser überhaupt versteckt sein, möglichst schwer ausziehbar. Außerdem soll sich der Leser fragen: Was hat der Schreiber von dem, was er gewollt hat, erreicht. Nicht ob es richtig war zu morden, sondern ob richtig gemordet wurde, soll untersucht werden. In Wirklichkeit müssen die Bücher gelesen werden als die Schriften von Verdächtigen, die sie sind. Wie anders als mit dem äußersten Mißtrauen soll man die Erzählungen von Leuten hinnehmen, die entweder mithelfen, Hilflose in gewaltigen Mengen in blutige Kriege zu treiben, oder selber hilflos hineingetrieben werden? Die das Getreide verfaulen und die Menschen verhungern lassen? Die treten oder sich treten lassen?

Über die Unmöglichkeit der Sprache

Welchen Sinn, lieber Bertolt, macht es, den Kapitalismus mit einer Kapitalismus zu bekämpfen? Einen grossen, würdest du sagen, denn der Staatskapitalismus ist ja kein Kapitalisums.

Welchen Sinn macht es, Bücher mit einem Text zu bekämpfen? Einen grossen, würdest du sagen, denn die Sprache aus revolutionärer Feder unterschiedet sich ja grundsätzlich von der aus jeder beliebigen proletarischen oder bourgeoisen Feder.

Aber da hast du dich, trotz deinem bewundernswerten und absolut legitimen Einsatz, gehörig verschätzt - Nein, ich werde mir alle Kommentare über die Form des Textes jetzt verkneifen. Die Sprache ist und bleibt bloss ein Aufsatz auf die Gedankenwelt, die wiederum in jedem Einzelnen gefangen ist und verschiedene Wege kennt, wie sie, aber immer verzerrt, an die Oberfläche tritt. Man kann versuchen, diese Gedanken wo auch immer möglich zu äussern, was stets bei einem Versuch bleiben wird. Insofern - Sind nicht alle Texte lügen? Es ist immer Wissen nötig, um überhaupt die Voraussetzung zu haben, einen Text eventuell verstehen zu können. Ist es nicht dringender, die Voraussetzung zum Verstehen von Texten überhaupt zu fordern, als andere Autoren?

Über die Unmöglichkeit der Sprache

Lieber Bertolt, in Wirklichkeit müssen auch die fordernden Texte gelesen werden als Schriften von Verdächtigen, die sie sind. Wie anders als mit dem äussersten Misstrauen soll man die Forderungen von Leuten hinnehmen, die entweder mithelfen, Hilflose in gewaltigen Mengen in sinnlose Unterhaltung zu treiben, oder selbst hilflos hineingetrieben werden? Die die Menschen verfaulen und verhungern lassen? Die treten und sich treten lassen?


Persönliche Werkzeuge

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